Gänse an der Erlache

Über die Gänsepopulation an der Bensheimer Erlache. Woher kommen sie ? Welche Arten sind es ? Auch ihr Verhalten wird hier beschrieben; und warum sie sich so gerne auf Golfplätzen und Liegewiesen aufhalten ...

 

Die Gänsepopulation an der Bensheimer Erlache

Um 1986 siedelten sich die ersten Kanadagänse am Erlachsee an. Sie hatten sich von den Niederlanden kommend rheinaufwärts ausgebreitet. An anderen Orten hatten sich größere Verbände von Graugänsen etabliert. Diese Art konnte aber an der Erlache nie Fuß fassen. Bis heute brüten hier und im Umkreis nur einzelne Paare.Kanadagänsefamilie

Dagegen wuchs die Population der Kanadagänse kontinuierlich, aber nicht rasch an. Sie besteht aus etwa 12 Brutpaaren, hinzu kommen noch einige Paare im Umfeld der Erlache.

Größer ist der Verband der Nichtbrüter (vor allem jüngere, noch nicht verpaarte Tiere), die sich meist an der Erlache aufhalten, auf den Feldern und Wiesen im Umland grasen und auf dem Gewässer übernachten.

Ab Mitte Juni, nach der Brutzeit, sammeln sich größere Trupps aus der weiteren Umgebung an, um an den Ufern der Erlache zu mausern. Im Spätherbst und Winter zerstreuen sie sich wieder.

Kanadagans-KükenDer Bruterfolg der Kanadagänse ist von den jeweiligen Frühjahrswasserständen abhängig. Sinkt der Wasserspiegel rasch ab, liegen die Nester auf dem Trockenen und werden aufgeben, oder vom Fuchs und anderen Prädatoren (Räubern) erbeutet. In guten Jahren können die Gänseeltern dann schon mal 20 bis 30 Junge führen und zusammen eine Art Kindergarten bilden.

Gänse sind außerhalb der Brutzeit sehr gesellig, die Paare halten über die Jahre treu zusammen und können recht alt werden.

 

Jahre später als die Kanadagänse siedelten sich die ersten Nilgänse an. Auch sie stammen von verwilderten Parkvögeln ab. Sie breiteten sich rasch aus, nachdem sie zuerst eine Vorliebe für städtische Anlagen und Weiher zeigten.Nilgansfamilie

In ihrem Verhalten unterscheiden sie sich sehr von den echten Gänsen. Man ordnet sie unter die Halbgänse ein. Ursprünglich aus offenen Flussbettlandschaften Ostafrikas kommend, brüten sie (streng territorial abgegrenzt) das ganze Jahr über auch bei uns. Selbst mitten im frostigen Winter schlüpfen manchmal ihre Jungen, die dann aber nur eine geringe Überlebenschance haben.

 

Neben den genannten beiden Arten gesellen sich manchmal noch einige andere Gänsearten hinzu:

Weißwangen- oder Nonnengänse, Graugänse, Schwanengänse, Streifengans und Rostgans. Sie treten unregelmäßig und nur in Einzelexemplaren auf. Durch farbige Fußringe verraten einige ihre Herkunft aus Vogelparks. Auch einige Mischlinge sind gelegentlich zu sehen. Man nennt sie Hybride.

Zum Verhalten der Gänse und warum sie sich gern auf Golfplätzen und Liegewiesen aufhalten

Gänse sind von Natur aus Bewohner weiter offener und feuchter Landschaften, wie sie im Norden Amerikas, Asiens und Europas in Form von Tundren, Mooren und Fluss-Schwemmländern vorkommen.Sie meiden Wälder und Gehölze, auch hochwachsene Vegetation, die ihnen die Sicht behindern.

Gänse sind sehr vorsichtig und wollen immer den Überblick behalten. Dazu haben sie auch die langen Hälse. Alle Gänse sind Vegetarier. Sie weiden die Spitzen der Gräser und Kräuter ab, fressen auch gern unreifes Getreide. Im Herbst suchen sie bevorzugt abgeerntete Mais-, Raps- und Getreidefelder auf. Zum Weiden brauchen sie Ruhe. Sie sind gesellig und während die anderen eifrig zupfend übers Grünland vorrücken, stellen sie einige Artgenossen als Wächter auf, die den Trupp gegen Feinde sichern.

NilgansGolfplätze sind mit ihrer Weite, Übersichtlichkeit und dem Angebot an frischem Grün ideal als Nahrungsflächen für Gänse. Die Vögel brauchen aber auch Gewässer in der Nähe, auf die sie sich zum Nächtigen und bei Gefahr zurückziehen können.

Ihre Jungen führen sie , solange diese noch nicht fliegen können, immer in der Nähe von Wasserflächen. Die Altvögel halten sich aber auch zur Mauserzeit in Gewässernähe auf, da sie dann kurzzeitig flugunfähig sind und sich bei Störungen rasch aufs Wasser retten müssen.

In der übrigen Zeit sind Gänse sehr mobil. Die nördlichen Populationen ziehen nach Süden und überwintern in den milden Gegenden West- und Mitteleuropas. Der Zugtrieb ist ihnen angeboren und äußert sich auch in den Populationen unserer Kanada- und Graugänse. (Siehe Selma Lagerlöfs Buch „Nils Holgerssons wundersame Reise mit den Wildgänsen“). Sie unternehmen regionale Wanderzüge. - Nicht so die Nilgänse: sie sind ganzjährig in ihren Brutrevieren anzutreffen.

 

Für die Jagd auf die Gänse gibt es keine überzeugenden, vernünftigen Gründe. Dennoch wurden für Kanadagans , Graugans und Nilgans Jagdzeiten eingerichtet. Wenn auch ursprünglich nicht bei uns beheimatet, sind diese Vögel inzwischen längst Teil der heimischen Tierwelt geworden. Sie erhalten sich seit mehr als 25 Jahren ohne Unterstützung durch den Menschen in unserer Natur.

Dass sie einheimische Arten in ihrem Bestand gefährden, konnte nicht nachgewiesen werden. Dennoch sehen manche Leute die Gänse nicht gern. Sie stören sich an den Hinterlassenschaften der Gänse auf Liegewiesen und Golfspielbahnen. Das kann zwar manchmal lästig sein, ist aber kein Grund für eine Verfolgung. Da durch unsere intensive Landnutzung viele Vogelarten verschwunden sind, ist es erfreulich, dass wir in den Gänsen einige Arten gewonnen haben, die mit der vom Menschen gründlich umgemodelten Landschaft zurechtkommen und beleben, was sonst arg verödet daläge.

 

Stephan Schäfer, Kreisbeauftragter für Vogelschutz Bergstraße, März 2018